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Kricevzi und Vir

 

Prolog

Es ist Mittwoch, der 8.8.2007, wir sind in Karlsruhe (Baden), heute Vormittag wurde der Anhänger in Oberhausen-Rheinhausen beim Verein Konvoi der Hoffnung e.V. (www.konvoi-der-hoffnung.de) mit Rollstühlen, Medikamenten, Kinderkleidung und diversen Kleinigkeiten (rund 1.500 kg) beladen. Gegen Abend rufe ich bei Schwester Annemarie von den Franziskanerinnen in Kricevzi an, dass die Rollstühle im September ankommen werden und ob Sie noch etwas besonderes benötigen würde. Ganz im Gegenteil zur sonst üblichen Bescheidenheit sagt sie ja, das Medikament Clindamycin wäre dringend erforderlich.

 

Sr. Annemarie ist zur Zeit von Ihrem Orden beauftragt, ein Alten- und Pflegeheim in der Nähe von Kricevzi zu errichten. Zusätzlich zu dem Bau des Heimes kümmert sie sich aber jetzt schon um Alte und Kranke. Sie hat vor ein paar Tagen eine Frau von 60 Jahren in Ihre Obhut bekommen, bei der die Diagnose „Knochenentzündung“ von den Ärzten gestellt wurde. In Deutschland gibt es das Medikament bzw. den Wirkstoff Clindamycin, in Kroatien gibt es dieses Medikament nicht bzw. nur auf teures Privatrezept mit Einzelimport. Ohnehin wäre eine besondere Genehmigung erforderlich, da das Medikament keine Zulassung der zuständigen Behörden in Kroatien hat. Die Therapie lautet in Kroatien schlicht: Amputation des befallenen Knochengewebes, d. h. „das Bein kommt ab“.

Also beschaffen wir die erforderliche Menge des Medikaments für eine vierwöchige Therapie und versenden diese am Samstag, 10.08., per Privat-Kurier mit dem PKW nach Kroatien. Die gleiche Menge werden wir nochmals für die geplante Fahrt Mitte September mitnehmen, falls eine Verlängerung der Anwendung notwendig sein sollte.

 

Mucsi ( Ungarn ), Dienstag, 18.09.2007

Morgen soll es nach Kroatien gehen. Der Anhänger ist beladen mit den Sachspenden aus Oberhausen-Rheinhausen, die die Reise mit antreten sollen. Mit einem Teil der gebrauchten Kinderkleidung wurde vor 12 Tagen ein Basar im Kindergarten von Mucsi durchgeführt, damit in diesem kleinen Dorf in Südtransdanubien die sozial nicht auf Rosen gebetteten Eltern für Ihre Kinder wieder günstig etwas zum Anziehen für die Kleinen bekommen haben. Für 50 Forint das Stück als „Schutzgebühr“ wurden die Sachen abgegeben, der Kindergarten konnte sich dann über die Spende von 13.850 Forint freuen. Der übrige Teil der Kinderkleidung, Rollstühle, Medikamente, Spielsachen, drei Kinderfahrräder und ein Kinderroller sind jetzt dabei.

 

Kricevzi ( Kroatien ), Mittwoch, 19.09.2007

Wir fahren. Der ungarische Zoll kontrolliert den Anhänger, der kroatische Zoll winkt uns durch. Besser kann es nicht sein. Gegen 5.00 Uhr abends sind wir in Kricevzi und parken am Kloster vor dem Kinderheim ein. Gleich sind die mitgebrachten Sachen abgeladen, die zwischenzeitlich noch durch zahlreiche Hygieneartikel, Fruchtmilch und Joghurt vor der Grenze ergänzt wurden. Hier werden rund 20 Kinder rund um die Uhr von Sr. Zinovjia und ihrem Team betreut. Darunter drei Kinder, die am sog. Down-Syndrom leiden. Besonders freut sich das Mädchen Katarina. Sie versucht zum ersten Mal in ihrem Leben sich mit einem Kinderfahrrad oder einem Roller zu bewegen.

 

Kricevzi ( Kroatien ), Donnerstag, 20.09.2007

Um 09.00 Uhr sind wir mit Sr. Annemarie verabredet. Zur Zeit hat sie noch eine Wohnung in Kricevzi, bis das Alten- und Pflegeheim in Cugonec fertig ist. In Kricevzi laden wir zunächst zehn Rollstühle aus. Diese sind für den Behindertenverein von Kricevzi bestimmt. Die übrigen beiden Rollstühle sowie die Medikamente und alles andere kommen zum neu bezogenen „Landsitz“ in Cugonec in dem am 01.10.2007 der Betrieb „notdürftig“ aufgenommen wird. Notdürftig deshalb, da die Bauarbeiten für den Pflegeteil des Objekts bisher von den zuständigen Betrieben nicht ausgeführt wurden. Natürlich gibt es tausend Entschuldigungen von den Unternehmern dafür. Als Unterkunft für die Heimbewohner werden zunächst einige Betten in den Zimmern der zukünftig hier arbeitenden Schwestern und den beiden Gästezimmern für Besucher bereitgestellt.

Wir laden aus und besichtigen, was fertig ist. Beiläufig gibt es ein Telefongespräch und wir erfahren, dass der Unternehmer, der das eiserne Tor an der Straßenzufahrt der Einrichtung bauen sollte, nicht mehr arbeitet und die Anzahlung von 10.000 Kuna (rund 1.370 €) wohl verloren ist.

Doch es gibt auch eine sehr positive Nachricht:

Die Frau mit der Knochenentzündung hat ihre Krankheit überwunden, das Medikament hat gewirkt. Das Bein bleibt dran!

 

Mit dieser sehr erfreulichen Mitteilung hängen wir den Anhänger ab und verabschieden uns für etwa eine Woche Urlaub an der kroatischen Adria: erstes Reiseziel ist Zadar und Vir.

 

Posedarje (Kroatien), Donnerstag, 20.09.2007

Nach einer zügigen Fahrt verlassen wir nach der Maslenica – Brücke die Autobahn und suchen unseren vorgesehen Übernachtungsplatz am Novigradsko more. Der Parkplatz ist geschottert und eben, der Verkehr auf der kleinen Landstraße erträglich und nach einem kleinen Spaziergang von vielleicht 150 m zur Kapelle auf der Mini-Insel richten wir uns für die Nacht ein.

 

Insel Vir (Kroatien), Freitag, 21.09.2007

Heute fahren wir zunächst nach Zadar auf den Markt. Lebensmittel für die nächsten Tage werden eingekauft; vor allen Dingen frischer Fisch, denn unser heutiges Ziel ist die Insel Vir. Und wenn man dort frischen Fisch selbst zubereiten möchte, muss man diesen entweder selbst angeln oder mit viel Glück einem örtlichen Fischer abkaufen.

Nach dem Einkauf fahren wir nach Nin. Hier tanken wir nochmals Frischwasser. Dann über die Brücke auf die Insel Vir. Hier hat sich viel verändert seit unserem letzten Besuch vor drei Jahren. Die Feriensiedlungen wurden größer, die Landschaft noch mehr zugebaut. Aber ?(!) Es fällt auch auf, dass einige Lücken am Ufer sind, wo früher noch neue Häuser standen. Was ist passiert? Wir fahren zunächst an den Bootshafen in der gleichnamigen Ortschaft Vir. Ein gut geteerter, ebener Parkplatz erwartet uns. Renate hüpft in den Badeanzug und geht schwimmen, einmal zur Kastellina, einer restaurierten venezianischen Burgruine, und zurück. Und wieder fehlt in unmittelbarer Strandnähe ein dreistöckiges Haus.

Danach gibt es was zu Essen und wir beschließen einen ruhigen Stellplatz für die Nacht anzusteuern. Wir wollen an den Minihafen des kleinen Örtchens Torovi, dort standen wir vor drei Jahren in absoluter Ruhe mehrere Tage. Nur wenige andere Urlauber sind aus den vielen Ferienhäuschen tagsüber zum Baden gekommen. Doch die befestigten Uferanlagen gibt es nicht mehr, die Zufahrt ist mit großen Steinen blockiert.

Wir fahren wenige Meter weiter über einen Feldweg und etwas Schotter zu einigen Ferienhäuschen, in der Hoffnung, dass jetzt, nicht mehr so viele Urlauber hier sind. Auch hier fehlen drei Häuser. Etwa 30 m vom Wasser entfernt können wir auf einem Schotterweg abstellen, der hier nicht mehr weiter befahrbar ist. Hier bleiben wir für die nächsten Tage. Das Wetter ist schön, die Sonne scheint. Morgens, mittags und abends baden und schwimmen: Urlaub! Als ob das Meer hier für uns privat wäre.

 

Torovi (Kroatien), Samstag, 22.09. – Dienstag, 25.09.2007

Ein Ehepaar aus Slowenien, das eines der Ferienhäuschen bewohnt, erklärt uns schließlich, weshalb hier überall Häuser fehlen. Es wurden im letzten Jahr alle Häuser und andere Bauwerke, die in Zone von 70 m zum Ufer standen, schlicht abgerissen. Baugenehmigungen hätten diese ohnehin nicht gehabt.

Wir holen uns eifrig Meerwasser für alle möglichen Zwecke, um unseren Süßwasservorrat zu sparen. Getränke und etliche Lebensmittel gibt es in einem Geschäft im Dörfchen zu kaufen. Wir fahren auch mal mit dem Fahrrad nach Vir.

 

Mittwoch, 26.09.2007

Jetzt hat uns das schlechte Wetter wieder. Sturm, Regen und insgesamt kältere Witterung für die nächsten Tage veranlassen uns, bereits am Vorabend, die wesentlichen Dinge zu packen. So fahren wir am Vormittag nochmals nach Zadar auf den Markt. Es kommt reichlich Fisch in die zusätzliche Kühlbox unseres Womos. Danach geht es an diesem Tag noch über die Autobahn zurück nach Cugonec, wo der Anhänger wartet. Wir kommen abends dort an und parken ein zum Übernachten. Am nächsten Tag werden wir wieder nach Mucsi nach Hause kommen, leider einige Tage früher als erwartet.

 

 

 

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